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LANDKREIS FULDA Für etwa 2500
Jungen und Mädchen im Landkreis Fulda beginnt Ende August der
sprichwörtliche Ernst des Lebens. Sie werden am 29. August eingeschult. Doch
etwa ein Viertel der Kinder weisen „Entwicklungsauffälligkeiten“ auf, bei
etwa 7,5 Prozent der Jungen und Mädchen wird gar empfohlen, dass sie erst
ein Jahr später in die Schule gehen oder eine sonderpädagogische Einrichtung
besuchen sollten. Dies sind Ergebnisse der obligatorischen
Schuleingangsuntersuchungen, die zwei Schulärztinnen des
Kreisgesundheitsamtes gegenwärtig durchführen.
Neu ist ab diesem Jahr, dass sie hessenweit einheitlich sind. „Alle Kinder
im Kreis Fulda durchlaufen die gleichen Untersuchungen und Tests, erklärt
Dr. Bozena Wieczorek. Die Schulärztin erläutert, dass eine neue Methode,
Sens genannt, das Bielefelder Modell, das nicht mehr zeitgemäß sei, abgelöst
hat. Das Hessische Sozialministerium habe dies verfügt.
„Die neue Untersuchung ist zeitaufwändiger, dafür liefert Sens
aussagekräftigere Ergebnisse“, fügt sie hinzu. Je nach Entwicklungsstand des
Kindes muss man 30 bis 60 Minuten rechnen“, erklärt Christa Vogel, die
zweite Medizinerin, die mit dieser Aufgabe betraut ist.
„Die neue Methode ermöglicht es differenzierter, schulrelevante
Entwicklungsauffälligkeiten festzustellen“, erklärt Vogel. Man könne dadurch
genau nachvollziehen, wo und warum es Probleme gebe. Es gehe darum, den
Eltern Hinweise und Tipps an die Hand zu geben, damit die Kinder bis zum
Schuljahresbeginn eventuelle Defizite aufholen können. Wiczorek erläutert,
dass es sich dabei lediglich um Empfehlungen handelt, die nicht
verpflichtend sind. Aber sie rät den Eltern, diese Vorschläge Ernst zu
nehmen. „Es ist kein Zwang, sondern eine Chance für die Kinder.“
Bei den Tests werden der körperliche Zustand, das Hören und Sehen,
sprachliche, koordinative und motorische sowie visuelle und auditive
Fähigkeiten überprüft. Und dabei ist den Medizinerinnen aufgefallen, dass in
den letzten Jahren die Zahl der Kinder mit Entwicklungsauffälligkeiten
angestiegen sei. Vogel und Wieczorek schätzen, dass dies bei einem Viertel
der Sechsjährigen der Fall sei. Dies seien immerhin rund 650 Jungen und
Mädchen. „Das ist eine ganze Menge“, schlussfolgern sie. Das reiche von
sprachlichen Problemen, Übergewicht, koordinativen Defiziten bis hin zu
Konzentrationsschwierigkeiten. Und gerade im zuletzt genannten Fall macht
der Anteil der Jungen, die unruhig und fahrig bei den Tests seien, rund 70
Prozent aus. Detaillierte Gründe können sie nicht nennen, doch ein zu großer
Medienkonsum und das Vernachlässigen von herkömmlichen Spielen mache sich
dabei bemerkbar, meinen die beiden.
Bei geringfügigen Auffälligkeiten würden Kinder nicht zurückgestellt. „Aber
bei ihnen besteht Handlungsbedarf“, sind sich Dr. Vogel und Dr. Wieczorek
einig und geben Empfehlungen, wie man diese Handicaps ausgleichen kann. Etwa
durch Logopädie- oder Ergotherapie. Um körperliche Mängel wie
Koordinationsprobleme auszugleichen, wird auch schon mal der Tipp gegeben,
in einen Sportverein zu gehen oder aber bei nervös erscheinenden Kindern den
Fernsehkonsum zu verringern.
Es gibt aber auch künftige Erstklässler, die an chronischen Krankheiten wie
Asthma oder Diabetes leiden. In diesen Fällen beraten die Ärztinnen die
Eltern, wie ihr Kind im Schulalltag damit umgehen sollte. Es sei auch
wichtig, dass die Schule davon weiß, um im Ernstfall handeln zu können.
Bei etwa 7,5 Prozent der Kinder empfehlen die Ärztinnen aufgrund der
Untersuchung, die Einschulung um ein Jahr hinauszuschieben oder eine
sonderpädagogische Einrichtung zu besuchen. In diesen Fällen seien die
Auffälligkeiten so groß, dass die Gefahr bestehe, dass die Kinder dem
Unterricht nicht folgen können.
Im besten Fall sollten sie eine Vorklasse besuchen oder aber die Ärztinnen
geben Ratschläge, welche Schulen für die benachteiligten Kinder in Frage
kommen.
Sens:
Sens (Screening des Entwicklungsstandes bei der Einschulung) ermöglicht
differenzierte Untersuchungsergebnisse. Sens wurde von Gesundheitsämtern in
Nordrhein-Westfalen entwickelt und im Jahr 2002 dort zum ersten Mal
angewandt. Neben den obligatorischen Hör- und Sehtests sowie der
körperlichen Untersuchung stehen dabei die Überprüfung der sprachlichen
Fertigkeiten und die Informationsverarbeitung im Mittelpunkt. Es soll
herausgefunden werden wie gut sich die Kinder artikulieren können, wie es um
die Sprachkompetenz und die Informationsverarbeitung steht. Unter anderem
müssen sie Sätze wiederholen, Worte vervollständigen, Symbole zuordnen.
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