

Unwetterwarnungen
Region Fulda
Beste
Auflösung:
1280 x 800
mit Internet Explorer
Zurück
Startseite
| |
Aus der FZ vom 10.12.2005
siehe auch: Grundsätze von Erziehung und
Verhaltensvereinbarungen
Eltern und Lehrer sind gemeinsam gefordert
Immer häufiger erschweren und stören undisziplinierte Schüler den Unterricht
und fördern so die Unruhe
Von unserem Redakteur Rainer Ickler
|

Foto Ralph Leupolt |
|
FULDA „Wieso soll ich mein Kind
erziehen? Dafür ist doch die Schule da, die bekommt doch Geld dafür!“ Diese oder
ähnliche Aussagen bringen Gerhard Renner, Rektor der Pilgerzeller
Florenbergschule, auf die Palme. „Es ist ein Trugschluss, wenn Eltern aus
Unkenntnis, Bequemlichkeit oder Überforderung die Pflicht zur Erziehung an die
Schulen oder Kindergärten übertragen wollen. Bei Klassengrößen von 25 oder 28
Kindern können die Lehrer dies nicht zusätzlich noch übernehmen.“ Dann nämlich
bestehe die Gefahr, dass die eigentlichen Aufgaben der Schule, die
Wissensvermittlung, zu kurz komme. Die Lehrer seien dann zu sehr damit
beschäftigt, die Disziplin herzustellen und den Schülern wichtige
Verhaltensmaßregeln beizubringen.
Renner, elf Jahre Leiter der Steinauer Wendelinusschule und seit einem Jahr
Rektor der Pilgerzeller Florenbergschule, hat festgestellt, dass der Anteil der
Kinder zunimmt, die verhaltensauffällig sind. Es seien zwar nur wenige pro
Klasse, aber es würden immer mehr. Diese Kinder können nur schlecht zuhören, es
fehle ihnen die Konzentrationsfähigkeit, sie seien nervös, fielen dem Lehrer
oder den Mitschülern ins Wort. Sie sorgten dafür, dass die Unruhe in der Klasse
größer und die Störungen des Unterrichts häufiger werden. Als Grund hat der
Rektor einen zu großen Medienkonsum ausgemacht, aber auch veränderte soziale
Gegebenheiten. Immer mehr Eltern erzögen ihre Kinder allein, immer häufiger
müssten beide Elternteile arbeiten, der Stress im Beruf werde größer, sodass
weniger Zeit für die Kinder bleibe. Wenngleich es immer noch einer großen Zahl
von Eltern gelinge, das alles einigermaßen zu kompensieren, so sei doch die
steigende Anzahl von Verhaltensauffälligkeiten in der Schule Besorgnis erregend.
Deshalb hat Renner sich, wie andere Schulleiter auch, dazu entschlossen, mit den
Vätern und Müttern ins Gespräch zu kommen. Er nennt dies „vorbeugend arbeiten“.
Renner geht schon frühzeitig in die Kindergärten, informiert die Eltern über
mögliche Defizite und mahnt deren Mitverantwortung an. „Väter und Mütter sollten
ihren Kindern im Verhalten und bei den Umgangsformen ein Vorbild sein. Sie legen
den Grundstein und müssen die Vorarbeit leisten.“ Renner nennt einige Beispiele:
nicht ins Wort fallen, zuhören können, den Lehrer aber auch die Mitschüler
respektieren, Rücksicht nehmen und sich über einen längeren Zeitraum auf eine
Sache konzentrieren können. Würden diese sozialen Kriterien erfüllt,
unterstützten und erleichterten Eltern die Arbeit der Pädagogen.
Der Rektor räumt in diesem Zusammenhang mit einem möglichen Missverständnis auf.
Er will „keine Lernmaschinen“, sondern aufgeweckte und kreative Schüler, die
gerne in die Schule gehen. Dazu gehöre aber auch ein angenehmes und stressfreies
Lernklima.
Zusammen mit der Vorklassenleiterin der Pilgerzeller Florenbergschule, Liane
Bub, hat er einen Brief an die Eltern der Vorschüler verfasst und darin einige
Empfehlungen zusammengestellt (siehe Kasten).
„Die Schulreife eines Kindes hängt nicht nur von den kognitiven Fähigkeiten ab,
sondern ebenso von den sozialen Umgangsformen, erklärt die für die Grundschulen
zuständige Schulamtsdirektorin Heitrud Paschmann. Sie bestätigt die
Beobachtungen und Forderungen von Renner sowie von anderen Rektorinnen und
Rektoren: „Eltern und Lehrer müssen an einem Strang ziehen, eine Kooperation ist
von großer Bedeutung.“ Kontraproduktiv sei es, wenn das Elternhaus gegen die
Schule arbeite.
Gerhard Renner benutzt dabei gerne das Bild, dass im Grunde alle in einem Boot
sitzen, Lehrer und Schüler. Um ans Ziel zu kommen, müssten sie zusammen rudern.
Werde dies von einer Seite verhindert oder erschwert, so kommt das Boot nur
langsam voran – woran niemandem gelegen sein könne.
In Pilgerzell will der Elternbeirat den Dialog zwischen Lehrern und Eltern
mitgestalten, damit für die Kinder die bestmögliche Lernatmosphäre entstehen
könne, erklärt der Vorsitzende Wilhelm Wittig. Es sei angedacht, eine gemeinsame
Verhaltensvereinbarung auszuarbeiten, die für Eltern und Lehrer als Richtschnur
dienen könnte. Dabei sollten beide Seiten ihre Erwartungen formulieren und
gemeinsam Kriterien ausarbeiten.
>>
Zur Homepage der
Florenbergschule 10.12.2005
Fuldaer Zeitung
|