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   Schule machen ohne Gewalt

Das Projekt SMOG geht auf eine Initiative aus Osthessen zurück und hat inzwischen bundesweit Beachtung gefunden.

Aus der Webseite von SMOG:

 

An der Florenbergschule hat in den Monaten  Mai - Juli 2005 erstmals für die Jahrgangsstufen 3 und 4 ein SMOG Training stattgefunden. Als Referentin konnte Lolita Banik-Reith engagiert werden, die in sehr einfühlsamer  und kompetenter Weise mit Kindern über Ängste und Gefahren sowie Verhaltensweisen zur Gefahrenabwehr und Angstbewältigung sprechen konnte.
 

Am 10.06.2006 erschien in der Fuldaer Zeitung folgender Beitrag:

„Ihr müsst es nicht aushalten“
Lolita Banik-Reith übt mit Kindern, sich bei Gefahren zur Wehr zu setzen
   

Von Jutta Koch

Lolita Banik-Reith  Foto: Sabine AbelFULDA Es gibt Situationen, in denen Kinder ein komisches Gefühl bekommen. Beispielsweise, wenn der Onkel immer einen Begrüßungskuss verlangt, und sie sich zu ihm auf den Schoß setzen sollen. Wenn Fremde sie auf der Straße ansprechen und im Auto mit nach Hause nehmen wollen. Oder wenn Jugendliche auf dem Spielplatz randalieren und sie anpöbeln.
„Das müsst ihr nicht aushalten, ihr habt es selbst in der Hand, euch zu wehren“, sagt Lolita Banik-Reith in ihren Seminaren zu den Dritt- und Viertklässlern. Sie übt mit ihnen handfeste Antworten ein, um sich aus solchen Situationen zu befreien. Mit Sätzen wie „Ich will das nicht!“, „Ich laufe lieber nach Hause!“ oder „Lasst uns in Ruhe!“ können Kinder ihrem Gegenüber Grenzen aufzeigen.
Lolita Banik-Reith ist seit neun Jahren Vorsitzende des Stadtelternbeirats. Als sie gefragt wurde, ob sie sich am Projekt „Nicht mit mir!“ des Vereins Smog (Schule machen ohne Gewalt) beteiligen möchte, sagte sie sofort zu. Aus ihrer Zeit im Ehrenamt wusste sie: „Es gibt viel zu tun.“ In einem Workshop der Polizei ließ sie sich zur Referentin ausbilden.
1200 Schüler hat sie in den vergangenen zwei Jahren in Fuldaer Grundschulen besucht. Was sie dabei erlebt hat, klingt unglaublich. Ein Mädchen berichtete ihr von einer Freundin, die von einem Mann zu sich nach Hause gelockt wurde. Er hatte ihr versprochen, sie dürfe dort mit kleinen Kätzchen spielen. Statt dessen schloss er sich mit ihr ein, und sie musste sich Porno-Filme mit ihm ansehen. Durch den Hinweis des Mädchens konnte der Fall aufgeklärt werden – einer von vielen, wie Lolita Banik-Reith vermutet: „Auch das ist Fulda.“
Bevor die 49-Jährige mit ihren viertägigen Seminaren beginnt, veranstaltet sie einen Elternabend, um den Müttern und Vätern die Ziele der Schulung zu verdeutlichen. Sie betont, dass sie den Kindern keine Angst machen will – im Gegenteil. Viele seien ohnehin verunsichert. Bei Umfragen steht die Furcht vor sexuellem Missbrauch an zweiter Stelle nach der Angst vor Schicksalsschlägen in der Familie. „Wir müssen den Kindern ehrlich sagen, wie die Welt aussieht“, antwortet Lolita Banik-Reith auf die Frage, ob dieses sensible Thema überhaupt mit Zehn- und Elfjährigen besprochen werden sollte. Sie sagt ihnen aber auch: „Wir tun alles für euren Schutz, damit euch nichts passiert.“
In jeder Klasse sind laut Banik-Reith zwei bis drei Kinder dabei, die von „Angst machenden Situationen“ berichten. Um eventuellen Fällen nachgehen zu können, ist auch der Klassenlehrer beim Seminar anwesend. Nicht selten werden nach der Schulung Eltern zum Gespräch geladen. „Die meisten Übergriffe auf Kinder gibt es im Familien- und Bekanntenkreis.“
Als Referentin vermittelt Lolita Banik-Reith den Kleinen einfache aber wirkungsvolle Tipps, sich zur Wehr zu setzen und in Gefahrensituationen richtig zu reagieren. Sie übt mit den Kindern, sich Autokennzeichen Verdächtiger zu merken. Für FD-AH-110 beispielsweise hat sie die Eselsbrücke „Für dich auch Hilfe 110“ gebaut. Sie zeigt ihnen auch, wie ein Dienstausweis der Polizei aussieht – und sagt den Kindern, dass sie das Recht haben, danach zu fragen. „Nur weil jemand erwachsen ist, heißt das nicht, dass er sich alles erlauben darf“, gibt sie ihnen mit auf den Weg. „Schaltet die Festplatte ein und fahrt die Antennen aus“ lautet ihr Leitsatz.
„Wenn ich auch nur einem einzigen Kind das Selbstwertgefühl vermitteln kann, das es zu Hause nicht bekommt, weiß ich schon, dass ich das Richtige tue“, sagt sie. Die Arbeit mit den Kindern ist für sie eine Herzensangelegenheit. Und es sind ihre eigenen beiden Söhne im Alter von 14 und 15 Jahren und ihr Ehemann, die ihr Kraft geben. Denn es ist nicht immer leicht, das Erlebte zu verarbeiten, das muss auch sie gestehen. Bei der Erinnerung an ein kleines Mädchen, das einen besonders schutzbedürftigen Eindruck machte, bekommt sie noch heute Gänsehaut. „Das ist mein Motivationszettel“, sagt sie und deutet auf ein Stückchen Papier, auf dem dieses Kind sich bedankt für ihren Besuch.
„Das ist das schönste Dankeschön“, sagt sie und zeigt einen Stapel von Zeichnungen, Karten und Briefen der Kinder. Auf einer Karte steht: „Liebe Frau Banik-Reith, ich würde jeden Morgen schon um 7 Uhr zur Schule kommen, wenn Sie unterrichten würden.“

Kontakt:
Interessierten Eltern und Lehrern steht Lolita Banik-Reith unter Telefon (06 61) 6 10 00 für Fragen zum Projekt „Nicht mit mir!“ zur Verfügung. Ansprechpartner bei Problemen rund um das Thema Gewalt und Missbrauch sind unter der kostenlosen Smog-Line (08 00) 1 10 22 22 erreichbar. / ju

www.smogline.de

 
10.06.2006 Fuldaer Zeitung

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