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19.03.2009

Das Lernen lernen“ – Wilfried Helms zu Gast in der Florenbergschule Pilgerzell

Zahlreiche Eltern, Lehrkräfte und Erzieherinnen der Einladung des Fördervereins und des Schulelternbeirates gefolgt und lauschten nach der Begrüßung durch Schulleiter Gerhard Renner und Fördervereinsvorsitzenden Prof. Peter Haller dem informativen und kurzweiligen Vortrag zum Thema „Das Lernen lernen“ in der Florenbergschule in Pilgerzell.

 "Wer seinem Kind kein gutes Benehmen beibringt und ihm nichts abverlangt, schadet seinem Kind – auch beim Lernen". Mit diesen provokativen Thesen erläuterte Referent und Lerntrainer Wilfried Helms aus Marburg zunächst Lernmethoden und -techniken, die auf neueren Erkenntnissen von Neurophysiologen und Hirnforschern basieren. Anhand kleiner Experimente verdeutlichte er den anwesenden Erwachsenen, wie das Gehirn funktioniert und was beachtet werden muss, um effektiv und erfolgreich lernen zu können.

"Unser Gehirn ist hochdynamisch und kann alles lernen", erläuterte Helms. "Und: Es muss alles lernen".  Dazu gehöre auch, dass Kinder als Voraussetzung für den Schulalltag – und nicht nur dort - gutes Benehmen lernen müssten sowie Fähigkeiten wie Zuhören können, ruhig sitzen, nicht dazwischen reden und vieles mehr. Ebenso müsste ein Kind erst lernen, eine Arbeitshaltung zu gewinnen, konzentriert und ausdauernd zu arbeiten, auch Dinge zu erledigen, die es nicht gerne mag. "Da kommt nichts von selbst. Wenn man das nicht zu Hause und in der Schule mit dem Kind trainiert, tritt ein anderes Verhalten an diese Stelle – meist unerwünschtes Verhalten und schlechtes Benehmen", so Helms.

Im weiteren Verlauf gab Helms konkrete Tipps zum Lernen. So kann das Ultra-Kurzzeit-Gedächtnis höchstens sieben einzelne Informationen auf einmal aufnehmen. Daher brächten häusliche Diktate für die Rechtschreibentwicklung nichts, besser sei es, mit dem Kind einzelne Wörter zu trainieren, und dann höchstens zwei oder drei auf einmal. "Weniger ist mehr", so Helms. "Das gilt auch für die aufgewendete Zeit. Rechtschreibtraining, Lesetraining, Kopfrechentraining: Täglich ein, zwei Minuten reichen", führte der Lerntrainer aus. Vokabeln sollte man in kleinen Päckchen á 7 Stück lernen.

In einem interessanten Experiment zeigte Helms dann den Eltern, wie man mehr auf einmal lernen kann: Wenn der Lernstoff strukturiert wird, eine sinnvolle Ordnung hat, dann kann man plötzlich deutlich mehr als sieben Informationen verarbeiten. An praktischen Beispielen wie dem 1x1, dem Lernen von Ländern und Hauptstädten, dem Bewältigen von Hausaufgaben zeigte Helms, wie Schüler ihr Lernen beschleunigen können. "Wenn Ihr Kind lernt, wie man "Mutter" schreibt, können Sie ihm gleich noch gleich klingende und gleich geschriebene Wörter wie Futter, Kutter, Butter mitgeben. Statt einem hat Ihr Kind so vier Wörter in der gleichen Zeit gelernt."

Wichtig sei es auch, so Helms, Gelerntes häufig zu wiederholen. "Unser Gehirn behält sich nur, was wichtig ist. Und wichtig ist das, was gebraucht wird. Und sei es anlässlich einer schnöden Wiederholung" postulierte Helms.

Weiterhin betonte Helms die Relevanz der Persönlichkeitsstruktur des Lerners für seine individuelle und optimale Förderung. Der erfahrene Gymnasiallehrer und Vater von zwei Töchtern machte deutlich, wie notwendig eine gute Kooperation zwischen Schule und Elternhaus ist, um Kinder mit Lernschwierigkeiten oder Entwicklungsverzögerungen bestmöglich unterstützen zu können. 

Im zweiten Teil des Vortrages erläuterte der Referent die Bedeutung unterschiedlicher persönlicher Lernstile für den Schulerfolg. So gibt es den Hör-, Seh-, Gefühls- und Logikmenschen. Alle vier Anteile seien in jedem Menschen vorhanden, allerdings in unterschiedlicher Mischung. Und diese Mischung bestimme das spontane Herangehen an den Lernstoff. "Ein Gefühlsmensch geht gefühlsmäßig an Mathe heran – die Folgen können Sie sich leicht ausmalen" so Helms. 

Kinder müssten lernen, sich auf den Charakter des jeweiligen Stoffes einzulassen. Deshalb müsse man mit Kindern die zum Stoff passenden Arbeitsanleitungen trainieren, die sich die Kinder dann später selbst in einem 'Inneren Dialog' geben müssten.

 "Aber Achtung: Wer sich bewusst auf den Stoff einlassen muss, also in einen Lernstil umschalten muss, den er sonst spontan nicht nutzt, der unterliegt einer hochgradigen Anstrengung. Körperlich und psychisch", warnte Helms. Deshalb solle man mit Kindern höchsten 2x 10 Minuten, mit einer kurzen Pause von 2 Minuten dazwischen, solchen Stoff trainieren. "Danach ist das Kind in diesem Bereich ausgelutscht, und es muss sich wenigstens 30 Minuten bei Aufgaben erholen, die ihm liegen und Spaß machen. Aber ersparen darf man dem Kind die Anstrengung nicht."

 Wilfried Helms gab Eltern und Lehrkräften hilfreiche Tipps und Tricks mit auf den Weg, um den Widerständen der Kinder zu begegnen und ihre Freude und Motivation am Lernen zu wecken und aufrecht zu erhalten.  Wenn Eltern mit ihren Kindern trainieren, dann sei es am wichtigsten, dass die Eltern immer wieder betonen, was das Kind schon alles kann. "Und am Ende der Sitzung fordern Sie Ihr Kind auf, mit Freude und Stolz zu verkünden, was es dazu gelernt hat. Und sei es nur ein Wort in der Rechtschreibung." Denn: Nur wer seine Fortschritte wahrnehme und sich selbst dafür lobe, könne Selbstmotivation entwickeln. "Und weil Freude, ein Lächeln, Zuwendung entscheidend für den Erfolg sind, ist jede Meckerei und Motzerei beim Lernen kontraproduktiv", schloss Helms augenzwinkernd seinen Vortrag.

 

 


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